Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) treten weltweit jährlich zwischen 500.000 und 900.000 neue Fälle von viszeraler Leishmaniose auf. Die WHO weist darauf hin, dass sich die Krankheit seit Beginn des 21. Jahrhunderts deutlich ausgebreitet hat.
Die Krankheit wird durch Sandmücken übertragen. Hat eine Sandmücke zuvor Blut von einem infizierten Menschen aufgenommen, gelangen die Parasiten in ihren Körper. Bei einem weiteren Stich kann sie diese auf einen anderen Menschen übertragen.
Die Bekämpfung der Sandmücken wird durch mehrere Eigenschaften erschwert:
- Sie verursachen normalerweise kein hörbares Geräusch, weshalb man sie kaum bemerkt.
- Sie sind nur etwa ein Drittel so groß wie gewöhnliche Stechmücken oder sogar noch kleiner. Dadurch sind sie schwer zu erkennen.
- Ihre Stiche bleiben häufig unbemerkt, da sie nicht unbedingt schmerzhaft sind. Betroffene wissen deshalb oft erst dann von ihrer Infektion, wenn die ersten Krankheitssymptome auftreten.
Sandmücken sind vor allem zwischen der Abenddämmerung und dem Morgengrauen aktiv. Um Stiche zu vermeiden, wird daher empfohlen, sich während dieser Zeit möglichst nicht im Freien aufzuhalten.
Mit dem bevorstehenden Sommer, steigenden Temperaturen und zunehmenden Risikofaktoren wächst die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Krankheit.
Im Jahr 2019 behandelte Khotoat im westlichen Umland von Deir ez-Zor 151 Erkrankte, überwiegend Kinder. Darüber hinaus führten wir Aufklärungskampagnen durch, um über die Krankheit, ihre Risikofaktoren sowie Möglichkeiten der Behandlung und Vorbeugung zu informieren.

Risikofaktoren
Unzureichende Abfallentsorgung und offene Abwasserkanäle: Fehlen funktionierende Abfallentsorgungssysteme und verlaufen Abwasserkanäle offen durch die Ortschaften, entstehen günstige Bedingungen für die Vermehrung der Sandmücken, die die Krankheit übertragen.
Überbevölkerung und beengte Wohnverhältnisse: In dicht besiedelten Gebieten finden Sandmücken zahlreiche Menschen, von deren Blut sie sich ernähren können. Besonders häufig sind solche Bedingungen in armen, überfüllten Wohngebieten anzutreffen.
Schlafen im Freien: Wer auf dem Hausdach oder im Garten schläft, ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt. In ländlichen Gebieten kann dies eine Gewohnheit sein. Armut, fehlende oder unzureichende Unterkünfte sowie Katastrophen und Kriege können Menschen ebenfalls dazu zwingen, im Freien zu übernachten. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, von Sandmücken gestochen zu werden.
Mangelernährung: Sie erhöht das Risiko, dass sich eine Infektion zu einer viszeralen Leishmaniose entwickelt, die tödlich verlaufen kann.
Migration und Vertreibung: Wenn Menschen in Gebiete ziehen oder fliehen, in denen Sandmücken vorkommen, kann die Zahl der Infektionen steigen. Dies geschieht insbesondere im Zusammenhang mit Katastrophen und Kriegen.
Behandlung und Vorbeugung
Eine frühzeitige Diagnose ist besonders wichtig. Treten Krankheitssymptome auf, sollte daher möglichst bald eine Hautarztpraxis oder die nächstgelegene Gesundheitsstation aufgesucht werden, um eine geeignete Behandlung zu erhalten.
Gegen Leishmaniose gibt es derzeit keinen Impfstoff. Der wichtigste Schutz besteht deshalb darin, Stiche von Sandmücken zu vermeiden.
Dazu gehört, ihre Ausbreitung durch bessere öffentliche Hygiene und das Trockenlegen von Sümpfen einzudämmen. Ebenso wichtig sind persönliche Schutzmaßnahmen.
Wie kann man sich vor Sandmückenstichen schützen?
- Insektenschutzmittel auf unbedeckte Hautstellen sowie unter Ärmel- und Hosenabschlüssen auftragen. Bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren sollten diese Mittel nur sparsam verwendet werden. Bei Kindern unter zwei Jahren sollten sie nicht angewendet werden.
- Beim Verlassen des Hauses langärmelige Oberteile und Socken tragen. Das Oberteil sollte in die Hose gesteckt werden.
- Innenflächen im Haus mit Insektiziden behandeln. Im Außenbereich können entsprechende Mittel mithilfe von Verdampferplättchen oder flüssigen Präparaten eingesetzt werden.
- Während der Hauptaktivitätszeit der Sandmücken zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen möglichst in klimatisierten Räumen bleiben und Ventilatoren verwenden.
- Mit Insektiziden behandelte Moskitonetze benutzen.
- Feinmaschige Fliegengitter an Fenstern und Türen anbringen.

